|
“SCHATTENGESPRÄCH
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Hast du gegessen von der Frucht, von der zu essen ich dir einst verbot, gegessen ohne Angst, dass Reue plötzlich dir den Biss
im Halse stecken lässt?
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Hast du zerstört das väterlich Vertrauen, das ich dir schenkte, ich, dein Gott und Herr, hast du gedankenlos gebrochen den
Frieden meines Schöpfungswerks?
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Sieh doch, dein Schweigen schreit von deiner Schuld und Schatten des Versagens mir dein Versteck verraten, den Standpunkt
deiner selbst, sie zeigen an den Ort der rettungslosen Flucht.
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Sprich, kannst fliehen du vor deinem Gott, fliehen dir selbst in Sicherheit?
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Hat nicht die Freiheit, die im Rausch getrost du nahmst, zerbrochen deine Unschuld dir, die Unschuld gegen Gott und Welt?
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Schau doch, dein Schatten deutet an, was du zerbrochen hast, zerstört, zerschlissen ist, verbraucht und aufgezehrt!
Wo, Adam, hast du dich versteckt?
Sieh, Adam, ich, dein Schöpfer, lass dich wissen: Wenn auch der Schatten deines Tuns dich überrollt und das Gestrüpp der
Worte dich verletzt, wenn deiner Lüge Macht das Leben dir verzehrt und dein Versagen endlos deine Seele quält, wenn Todesangst die Kehle fest verschließt und du, gebannt vom eignen Schatten, in bangem Fragen
Rückschau haltend, dich selbst, Gott und die Welt anklagst: `Warum, o Schöpfer, tat ich das; Die Freiheit, die ich mir genommen, ist die des Vogels ohne Nest, ich selber sie heraus mir nehmend, hab ich verspielt
das Bleiberecht im Paradies!´
Sieh, Adam, ich, dein Retter, lass dich wissen: Ich lösch die Schatten der Vergangenheit, wenn reuevollen Herzens du wirst
sprechen: `Oh,
Vater, Gott, es tut mir leid!´ Spring über deinen Schatten, und sei er noch so groß, spring über ihn, bevor er dich zerstört, spring über deinen Schatten, bevor du selbst zum Schatten werdest, spring über ihn, ich fang dich sicher auf. ICH spreche dieses, ich, der ewig mächtig Gott! (1. Mose 3, 6.8.9.)”
|